Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse können bedeutende Schäden verursachen. Die Höhe der Schäden wird von der Nutzung des Siedlungsraums und von der Intensität und der räumlichen Ausdehnung der Naturereignisse beeinflusst. Sie hängt somit auch von den Massnahmen ab, die ergriffen werden, um Menschen, Umwelt und Sachwerte zu schützen. Die Schadensumme im Ereignisfall ist ein Indikator einerseits für den Erfolg der vorbeugenden Massnahmen zum Schutz vor Naturereignissen und andererseits für die Verletzlichkeit von Bauten und Infrastrukturen.
schlecht
nicht bewertbar
Von 1972 bis 2024 verursachten Hochwasser und Murgänge Schäden von rund 15.7 Mia. CHF. Die Schäden durch Rutschungen und Sturzprozesse belaufen sich auf 1.3 Mia. CHF. Insgesamt resultieren damit Schäden von 17 Mia. CHF; dies entspricht einem durchschnittlichen Schaden von 320.9 Mio. CHF pro Jahr (alle Werte sind teuerungsbereinigt, Preisbasis 2024).
Die Schäden im Jahr 2024 sind ungefähr 12 Mal so hoch wie die im Jahr 2023. Der Zustand wird also als schlecht bewertet. Die Entwicklung wird nicht bewertet, weil die starken jährlichen Schwankungen und die relativ kurze Beobachtungsperiode keine eindeutige Aussage zulassen.
Die Schadenssumme wird vor allem von wenigen Grossereignissen geprägt: Das Hochwasser vom August 2005 verursachte rund 3.3 Mrd. CHF Schäden (teuerungsbereinigt), und die Hälfte aller Schäden geht auf die fünf grössten Ereignisse zurück – zuletzt verstärkt durch die Unwetter mit Überschwemmungen und Murgängen in 2024.
Etwa 1.8 Millionen Menschen, d.h. rund 20 % der Schweizer Bevölkerung, leben gemäss national verfügbaren Daten in überschwemmungsgefährdeten Gebieten. Genau dort befinden sich auch rund 1.7 Millionen oder rund 30 % der Arbeitsplätze. In potenziellen Überschwemmungsgebieten liegen rund 25 % der Sachwerte (insgesamt rund CHF 840 Mrd.[1]). Hier findet auch ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung statt. Die vorhandene Schutzinfrastruktur schützt diese Gebiete gegen häufige Ereignisse. Ohne diese Schutzinfrastruktur wären die Schäden durch Hochwasser deutlich höher.
Absolute Sicherheit im Umgang mit Naturgefahren gibt es nicht. Allerdings haben die Analyse der grossen Hochwasserereignisse und insbesondere das Projekt OWARNA gezeigt, dass sich durch konsequente Umsetzung moderner Hochwasserschutzkonzepte und durch eine verbesserte Warnung und Alarmierung bis zu 20% der Schäden vermeiden liessen. Aus diesem Grund wird der Zustand als mittelmässig bewertet. Die Entwicklung wird nicht bewertet, weil die starken jährlichen Schwankungen und die relativ kurze Beobachtungsperiode keine eindeutige Aussage zulassen.
Seit 1972 sammelt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im Auftrag des BAFU systematisch Daten zu den Unwetterschäden in der Schweiz. Dabei werden die Prozesse Hochwasser, Murgang, Rutschung, Steinschlag und Felssturz berücksichtigt. Die Erhebungen basieren hauptsächlich auf Meldungen von etwa 3000 Schweizer Zeitungen und Zeitschriften sowie – bei grösseren Ereignissen – auf Angaben von Kantonen und Versicherungsgesellschaften. Faktenblätter zur den fünf genannten Gefahrenprozessen können auf der Webseite Gefahrenprozesse heruntergeladen werden.
[1] Der Erstellungswert des Bauwerks Schweiz beträgt CHF 3 355 Mrd. gemäss Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Immobilienwirtschaft der Schweiz“ (Staub P., Rütter H., 2014).